Wo laut Herrn K. die Weltgesellschaft das Zerfallen anfängt

14. Januar 2009

Dank dem Communism-Blog bin ich auf diesen unglaublich bescheuerten Text von Robert Kurz aufmerksam geworden, der wohl so ziemlich alles überbietet, was ich an hirngeficktem Scheißdreck in den letzten Tagen lesen musste. Bei Robert Kurz wird doch tatsächlich der von Israel geführte Krieg gegen die Bevölkerung in Gaza zum Schicksalskrieg der Menschheit. Anders können diese Sätze wohl kaum gedeutet werden:

„Gegen den ideologischen Mainstream muss festgestellt werden, dass die Vernichtung von Hamas und Hisbollah eine elementare Bedingung nicht nur für einen prekären kapitalistischen Frieden in Palästina ist, sondern auch für eine Verbesserung der sozialen Verhältnisse. Wenn die Chancen dafür schlecht stehen, stehen sie gut für den Zerfall der Weltgesellschaft in die Barbarisierung.“

In der Überhöhung des eigentlich ziemlich unspannenden, weil relativ ungleichen Konfliktes, kommt Robert Kurz da an, wo viele andere ehemalige Linke schon lang angekommen sind, nämlich im realen Mainstream, beim „Krieg gegen den Terror“1. Völlig ohne Argumente schlägt sich Kurz auf eine der beiden häßlichen Seiten dieses häßlichen Konfliktes, in dem weder der israelische Militärstaat noch die Hamas irgendwelche Sympathien bekommen sollten. Auch warum jetzt die relativ platte Propaganda Israels („Hamas nimmt die Bevölkerung als Geisel“) von Kurz zur absoluten Wahrheit geadelt wird, kann ich überhaupt nicht nachvollziehen und es scheint, dem ehemals recht kritischen Kritiker der Verhältnisse scheinen ein paar Sicherungen durchgebrannt zu sein.
Wem mein gepöble jetzt zu argumentlos war, dem werfe ich noch ein paar Stichpunkte zu:
- Die Hamas wurde vor allem aus sozialen Gesichtspunkten als Alternative zur völlig korrupten Fatah gewählt
- Israel hat in den 70er Jahren massiv islamistische Gruppen gefördert um die säkularen, linken Kräfte zu schwächen
- Die Abriegelung des Gaza-Streifens durch Israel hat wahrscheinlich schon mehr Hamas-GegnerInnen das Leben gekostet, als Terrorangriffe durch Palästinenser auf israelische ZivilistInnen
Weshalb also nun die Vernichtung des Symptoms Hamas die (vorübergehende) Lösung sein soll und nicht die Abschaffung der Ursache, nämlich die Beendigung des seit Jahrzehnten andauernden Besatzerregimes in den besetzten Gebieten, bleibt schleierhaft.

  1. Man könnte ihn in Zukunft auch „Krieg gegen den Zerfall der Weltgesellschaft in die Barbarisierung“ nennen. Das schöne daran wäre, dass wie beim alten Titel, das gemehrt wird, was laut seiner Aussage gemindert werden soll [zurück]

4 Kommentare

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  1. Comment von narodnik

    Ja. Da habe ich mich auch gewundert über diesen seltsamen Text vom Kurz. Habe früher ja mal mehr von dem gehalten…

  2. Comment von Earendil

    D‘accord (der Kurz-Text ist echt bescheuert), aber dein letzter Satz ist doch reichlich platt. Das Ende des Besatzerregimes in der Westbank, so wichtig und wünschenswert dieses wäre, würde wohl nicht das Ende der Hamas-Angriffe bringen, genauso wenig wie der Abzug aus dem Südlibanon das Ende der Hizbollah-Angriffe gebracht hat. Dazu dürfte die antisemitische Ideologie bei beiden Gruppen schon zu gefestigt sein.

  3. Comment von nachdenklich

    „Das Ende des Besatzerregimes in der Westbank, so wichtig und wünschenswert dieses wäre, würde wohl nicht das Ende der Hamas-Angriffe bringen, genauso wenig wie der Abzug aus dem Südlibanon das Ende der Hizbollah-Angriffe gebracht hat. Dazu dürfte die antisemitische Ideologie bei beiden Gruppen schon zu gefestigt sein. “

    Da gebe ich Dir Recht. Allerdings mit der Einschränkung, dass es doch sehr darauf ankommt, wie die Besatzung beendet wird und welche Kräfte sich dann dort durchsetzen. Der Bevölkerung wäre auf jeden fall zu wünschen, dass dies nicht Hamas oder Fatah sind, sondern eine Bewegung, die die dringensten sozialen Probleme angeht, ohne dabei korrupt oder demagogisch zu agieren.

  4. Comment von Dr. Doom

    Der Kurswechsel von Kurz in Richtung Ca ira begann paradoxerweise mit seinen Pamphleten gegen die antideutsche Ideologie. Israelsolidarität und der Diss (inzwischen Aufruf zum Kampf) gegen „barbarische“ Weltgegenden, die sich angeblich der kapitalistischen Verwertung entziehen, wurden seitdem zunehmend dominant. Warum Kurz diese Wandlung durchmacht, kann ich mir allerdings auch nicht erklären.

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