Jetzt Israel? Nur konsequent!

14. Mai 2008

„Israels Fahne ist […] die wohl eindeutigste Bekundung eines konkreten Antifaschismus“ – Ralf Schröder / Sören Pünjer

In zahllosen Diskussionen schien für die einfachsten Gemüter in meinem politischen Dunstkreis immer klar, dass die einzige Symbolik, die nicht für deutsche FaschistInnen vereinnahmbar sein könne, die des Staates Israels sei. Und auch als meine DiskussionspartnerInnen immer mehr von Argumenten zu Provokationen übergingen und sich am Ende als KrititikerInnen meiner Zusammenhänge verstanden, blieb dieser irrationale Glaube bestehen. Auch dass Le Pens Front National manchmal die Fahne Israels zeigte, konnte sie nicht beirren, denn das waren ja keine Deutschen. Ob die Seite hxxp://nasofi.blogspot.com/ („Nationale Sozialisten für Israel“) sie irritiert?

Manche äußerten spontan, es könne sich um einen Witz oder eine Satire handeln. Vielleicht. Ist aber eigentlich egal. Denn den deutschen Faschismus hat immer ausgezeichnet, dass er Symbole mit emanzipatorischem oder vermeintlich emanzipatorischem Inhalt verwendete und vereinnahmte. Der Durchschnittsfaschist war immer einer, der sich die Welt nach einfachen Gesetzen, mit einer Flickenteppich-Ideologie interessanter Ideen erklärte. So gelingt es manchen Nazis, von Solidarität, Klassenkampf und Volksgemeinschaft in einem Satz zu schwafeln, ohne zu erkennen, dass das Letztere die zynische Antwort des Unmenschen auf die ersten beiden ist. Dass die Völkischen auf die Idee kommen, dass auch das jüdische Volk seinen Platz in einer völkischen Welt haben sollte, ist nicht verwunderlich. Seltsam ist, dass es so lange dauert, bis die ersten Nazis* mit Israelfahnen herumwedeln. Gerade das Widersprüchliche macht doch für die neue Generation der NationalsozialistInnen wieder den Reiz aus. Die NS-Bewegung ist wieder experimentierfreudig und gewinnt somit potentiell auch an Stärke. Für die Nazis wird die eine Gruppe, die keinen Antisemitismus predigt, die gleiche Funktion erfüllen, wie für die Männerbünde die einzige Verbindung, die Frauen aufnimmt. Man wird sagen: „Es sind nicht alle so“. Gleichzeitig versuchen Nazis auf allen Ebenen ein stereotypes Bild von ihren GegnerInnen zu zeichnen, neben dem sie im Vergleich progressiv erscheinen.

Langfristig wirkungsvoll kann dieser Entwicklung meiner Meinung nach nur begegnet werden, wenn die Linke wieder mehr auf Vermittlung von Inhalten und eine klassenkämpferische Praxis Wert legt, anstatt auf reine Symbolik und inhaltsleere Rituale.

*Je nach Standpunkt mag das für den einen oder die andere schon in der Vergangenheit liegen

14 Kommentare

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  1. Pingback von “Nationale Sozialisten für Israel” « bikepunk 089

    […] Bei den Faschos gibt es nichts, was es nicht gibt. Nachdenklich hat eine israelsolidarische Faschogruppe entdeckt*: Dass die Völkischen auf die Idee kommen, dass auch das jüdische Volk seinen Platz in einer völkischen Welt haben sollte, ist nicht verwunderlich. Seltsam ist, dass es so lange dauert, bis die ersten Nazis* mit Israelfahnen herumwedeln. Gerade das Widersprüchliche macht doch für die neue Generation der NationalsozialistInnen wieder den Reiz aus. […]

    *In Wirklichkeit hat mich ein sehr guter Freund darauf hingewiesen – nachdenklich

  2. Comment von Wendy

    Sehr guter Beitrag, ich verlink den mal.

  3. Pingback von Jetzt oder nie: NASOFI! « Reiten, lesen, Freund_innen treffen

    […] Ja gut, ich bin mir blogtechnisch für nichts zu schade. Den ein oder anderen Hype habe ich wegen ideologischen Unverträglichkeiten ausgelassen, aber jetzt muss ich mich doch mal zu Wort melden bzw. es andere tun lassen, die meine Meinung wiedergeben. Es geht um die sogenannten bzw. angeblichen “Nationale Sozialisten für Israel“, die trotz der weitreichenden ideologischen Überschneidungen nicht mit den “Nationalen Bolschewisten für Israel” zu verwechseln sind. Allgemeine Verwirrung besorgte der Blog in der Linken, wie in der Rechten. Einigkeit bei den klügeren Linken bestand allerdings darüber, dass Israelsolidarität mit der Ideologie des NS keineswegs unvereinbar ist. Für einige war es sogar nur konsequent, dass sich aus Nationalismus und Ethnopluralismus auch eine Solidarität mit dem nunmehr sesshaften und wehrhaften israelischen bzw. “jüdischen” Volk entwickeln kann. Dem würde ich mich anschließen, genauso wie dem Fazit von nachdenklich (dessen Blog ich mir auch gleich mal anschauen werde, um zu gucken, ob ich ihn nicht vielleicht sowieso mal verlinken sollte): Langfristig wirkungsvoll kann dieser Entwicklung meiner Meinung nach nur begegnet werden, wenn die Linke wieder mehr auf Vermittlung von Inhalten und eine klassenkämpferische Praxis Wert legt, anstatt auf reine Symbolik und inhaltsleere Rituale. 1 […]

  4. Pingback von “Nationale Sozialisten für Israel” « hate work. love communism.

    […] Außerdem schrieben schon Bikepunk, Nachdenklich, Elser und Wendy. […]

  5. Comment von Lola

    Im ADF-Forum gibt`s dazu auch einen Thread.

  6. Pingback von Nazis über NASOFI « bikepunk 089

    […] Die Sau, die zur Zeit durchs Dorf getrieben wird trägt den sperrigen Namen “Nationale Sozialisten für Israel.” Zum Einstieg empfiehlt sich der Artikel im NPD-blog, Überlegungen dazu, inwieweit das vielleicht ein Fake ist findet ihr bei Classless. Wendy hingegen ist die Frage “Fake oder nicht” egal, wie Nachdenklich setzt er_sie auf die Vermittlung von Inhalten und Klassenkampf, anstelle von inhaltsleeren Symbolen und Ritualen. Schildkröte schliesslich erklärt den Faschos, dass es Nationen eigentlich nicht gibt (wurde auch Zeit, das denen mal wer Bescheid gibt), und Elser verspottet Antideutsche. Und wie diskutieren die Nazis über ihre angeblichen Israelsolidarischen Kameraden? […]

  7. Pingback von Nationale Sozialisten für Israel - Einordnung und Rezeption | Hot Action News

    […] nachdenklich, elser (2), bikepunk (2), blackone, classless, papierkrieg, wendy, hate work. love communism […]

  8. Comment von kaputt

    „Für die Nazis wird die eine Gruppe, die keinen Antisemitismus predigt, die gleiche Funktion erfüllen, wie für die Männerbünde die einzige Verbindung, die Frauen aufnimmt. Man wird sagen: “Es sind nicht alle so”.“

    Als ob nasofi, falls es nicht eh ein Fake ist, nicht antisemitisch wäre. lol

  9. Comment von nachdenklich

    Als ob Männerbünde, die engen Kontakt mit Frauenverbindungen pflegen, keine Männerbünde wären. Deine Anmerkung geht am Inhalt meiner Aussage vorbei. Was zählt ist nicht wie es ist, sondern wie es vom durchschnittlichen Bewußtsein der hiesigen Bevölkerung aufgenommen wird. Und da glaube ich, dass Nazis durch so manchen Stilbruch schon Pluspunkte sammeln können, auch wenn nur eine verschwindend kleine Minderheit ihn vollzieht.

  10. Comment von kaputt

    ich behaupte mal, mit israel gewinnt man in deutschland nicht mal nen blumentopf

  11. Comment von Serdar Günes

    Würde mich nicht wundern, wenn die im ADF plötzlich zwischen nazis „differenzieren“ lernen. „Gute“ und „Schlechte“ Nazis. Ein Faschismus der Israel nützt, ist dann eben keine schlechter mehr.

  12. Pingback von Profitieren von dem Hype… « Medium

    […] Als vor kurzem die Seite der “Nationalen Sozialisten für Israel” online ging, gab es in der (linken) Blogszene geradezu eine Hype. JedeR wollte was dazu schreiben. [bikepunk089] [classless] [wendy] [nachdenklich] [schilkroete] [elser] […]

  13. Comment von E.G.

    http://gran.blogsport.de/2008/06/19/11/

  14. Pingback von traurig, peinlich, antifa « Gratis Mittagsbueffet & Happy Hour-Angebote

    […] Seit nun einiger Zeit geistert ja dieser nennen wir es mal psychodeutsche Blog NASOFI, eine Mischung aus Nationalrevolutionären und Antideutschen, durch die Landschaft. Dabei handelt es sich um einen Blog Nationaler Sozialisten, die sich für das Existenzrecht Israels aussprechen, somit also für einen Diskurs in ihren Reihen sorgen, zugleich aber auch die theoretischen Abgründe der sogenannten Antifa aufzeigen, dessen Vertreter sich nun zum Teil versuchen mit “Fake“” raus zu reden. Sollte man von der Antifa doch verlangen eine treffliche Faschismusanalyse an der Hand zu haben, scheint das in das Antisemitismus ist alles-Theoriemodell nun so garnicht rein zu passen. Da wird übersehen, dass NASOFI letztendlich die konsequente Umsetzung bürgerlicher bzw. faschistischer Ideologie ist und sich ihre Paranoia & Verschwörungstheorie nicht zwanghaft gegen das Judentum zu richten hat, sondern in der bundesdeutschen, wie gesamt westeuropäischen Rechten die Feindbildkonstruktion zum größten Teil auf den Islam stattfindet. […]

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