Leck oder gezielte Zusammenarbeit? Nazis arbeiten mit Polizeiakten

9. Oktober 2007

Wie Spiegel-Online berichtet, profitierten Neonazis in Sachsen von der Anti-Antifa-Arbeit der Polizei.

Fragt sich, wie oft das sonst noch passiert. Der erhebliche qualitative Sprung der Anti-Antifa-Veröffentlichungen in den letzten Jahren könnte damit zumindest teilweise erklärt werden.

An das Märchen vom Nazi, der unterm Bett lauscht glaubt doch keiner wirklich, oder?

Nach der Schlacht von Bern

Die Opferrolle der SVP ist zwar nur ein Teil der Wahrheit. Der andere Teil ist, dass die SVP mit ihrem Wahlkampf Aggressionen schürt, wie sie sich am Samstag entluden. Es gilt jedoch: Mit Argumenten fechten ist legal. Mit Steinen werfen nicht.
(Tagesanzeiger)

Niemand profitiert von den Krawallen mehr als die SVP, die sich – für einmal zu Recht – als Opfer radikaler Chaoten darstellen kann.
(Der Bund)

Empört reagiert der Schaffhauser SVP-Ständerat Hannes Germann auf die schweren Ausschreitungen am Samstag in Bern. Kundgebungen seien ein demokratisches Grundrecht. Um dem Vandalismus einen Riegel vorzuschieben, müssten Jugendliche gelehrt werden, das Eigentum anderer zu achten.
(Der Bund)

Gleichzeitig haben sie damit deren kleinbürgerliche und rückwärts gerichtete Propaganda zumindest vorübergehend unterstützt. Jetzt sind die Kritiker aus dem eigenen Land auch gleich als diejenigen identifiziert, die man am besten mitsamt den Ausländern aus der Schweiz der Glückseligen hinausschmeißen sollte.
(Telepolis)

„Die SVP steht nun als Opfer da“, sagte der Berner Politologe Georg Lutz dem „Tagesanzeiger Online“. Dies könne zu einer Solidarisierung der Wähler mit der Partei führen. Wäre die Veranstaltung hingegen ohne Zwischenfälle abgelaufen, wäre sie schnell vergessen gewesen.
(Spiegel Online)

Da gab’s mal so ein Gedicht…

Rosen auf den Weg gestreut

Ihr müßt sie lieb und nett behandeln,

erschreckt sie nicht – sie sind so zart!

Ihr müßt mit Palmen sie umwandeln,

getreulich ihrer Eigenart!

Pfeift euerm Hunde, wenn er kläfft –:

Küßt die Faschisten, wo ihr sie trefft!

Wenn sie in ihren Sälen hetzen,

sagt: »Ja und Amen – aber gern!

Hier habt ihr mich – schlagt mich in Fetzen!«

Und prügeln sie, so lobt den Herrn.

Denn Prügeln ist doch ihr Geschäft!

Küßt die Faschisten, wo ihr sie trefft.

Und schießen sie –: du lieber Himmel,

schätzt ihr das Leben so hoch ein?

Das ist ein Pazifisten-Fimmel!

Wer möchte nicht gern Opfer sein?

Nennt sie: die süßen Schnuckerchen,

gebt ihnen Bonbons und Zuckerchen …

Und verspürt ihr auch

in euerm Bauch

den Hitler-Dolch, tief, bis zum Heft –:

Küßt die Faschisten, küßt die Faschisten,

küßt die Faschisten, wo ihr sie trefft –!

Kurt Tucholsky