Harmloses aushängen von Hakenkreuz-Fahne

20. April 2007

Der ansonsten doch recht sympathische Bild-Blog kritisiert die Bild-Zeitung für einen Bericht über die Dresdner Bundeswehrschule. Diese Schule hatte nämlich in einem Fenster eine Hakenkreuz-Fahne und eine Reichskriegs-Fahne aufgehängt. Der Bild-Blog wirft Bild vor, zu skandalisieren, obwohl es eine „harmlose Erklärung“ gebe. Diese „harmlose Erklärung“ sei, die Schule sei „zu Schulungszwecken“ beflaggt worden. Sie hätten „als Anschauungsmaterial gedient“ und „hingen in einem Bereich, der von der Öffentlichkeit kaum einsehbar ist“. Wer jetzt noch nicht aufgrund dieser bescheuerten Ausrede lachend oder weinend am Boden liegt, ist vielleicht ein ganz kleines bisschen naiv.

Der/die Bild-Blog-AutorIn (ich mach mir jetzt nicht die Mühe, rauszufinden wer spYri ist) gibt sich aber damit zufrieden und freut sich, der Bild mal wieder eine reingewürgt zu haben.

Problem ist nur: Warum musste das Ding ins Fenster gehängt werden? Haben die in ihrer „Schule“ da keine Beamer, Tageslichtprojektoren oder wenigstens eine Tafel an die man ein Hakenkreuz hängen, oder ganz zur not malen könnte? Ganz so unproblematisch scheint das nämlich alles nicht zu sein, denn anscheinend will nun die Staatsanwaltschaft ermitteln.

P.S.: Sollte die Bundeswehrschule bzw. der verantwortliche Offizier damit durchkommen, werden wohl in Zukunft noch mehr solche Schulungen abgehalten werden. Z.B. bei der NPD.

3 Kommentare

Der URI für den TrackBack dieses Eintrags ist: http://nachdenklich.blogsport.de/2007/04/20/harmloses-aushangen-von-hakenkreuz-fahne/trackback/

  1. Comment von rencontre

    Der BILDBLOG arbeitet eben etwas seriöser als die BILD – und seriöser als irgendwelche Weblogger wie du, die zu allem eine Meinung und von nichts eine Ahnung haben.

    Neben der Tatsache, dass es natürlich seltsam anmutet, wenn so ein Ding von innen ins Fenster gehangen wird, gibt es bisher auf einen rechtextremen Hintergrund keinen Hinweis. Den hat nichtmal die BILD gefunden. Es gibt nur die Erklärung der Bundeswehr, die allemal plausibler ist als der Nazivorwurf. Dass der hier garnicht begründet werden KANN, sieht man daran, dass du ja eher das Fehlen von Beamer und Overheadprojektor beklagst und du aus der Tatsache, dass es eine Ermittlung gibt, schon einen Rückschluss auf den Hintergrund ziehst.

    Selbst wenn ich kein Fan der Bundeswehr bin: Das ist der Versuchen, Fakten zu schaffen, wo keine sind.

    Nunja, ganz so „nachdenklich“ wie dein Blog bist du wohl nicht.

  2. Comment von nachdenklich

    Lieber „Rencontre“,
    Du schreibst:
    „gibt es bisher auf einen rechtextremen Hintergrund keinen Hinweis“

    Ich habe ja auch nicht von einem rechtextremen Hintergrund gesprochen. Und zwar nicht, weil ich gerne einen hätte, aber keiner da wäre, sondern weil ich finde, dass der Umgang der Dresdner Bundeswehrler mit NS-Fahnen schon ein bisschen arg seltsam ist. Für mich stellt sich das so dar: Wenn ein Gegner des Nazismus die Symbole des Nazismus erklären will, wird er sie wohl kaum unkommentiert oder missverständlich in die Öffentlichkeit stellen. Genau das scheint aber hier passiert zu sein. Und nun nehmen wir mal an, irgendwer käme zufällig an einem Haus vorbei, in dessen Fenster, wenn auch von der Öffentlichkeit „schwer einzusehen“, ein NS-Hakenkreuz hängt, dann ist die erste Assoziation wohl in der Tendenz „Aha, da wird eine Schulung gegen Nazismus abgehalten“?
    Wohl kaum.

    Die ganze Geschichte zeigt für mich eher, dass das Ganze Demokratie-Brimborium, dass in der Bundeswehr betrieben wird, für die dort Beteiligten meist bloße Pflichtübung ist und, wie der Fall zeigt, wenig bis keine Sensibilität im Umgang mit Rechtsextremismus und dessen Symbolen vorhanden ist. In dem Kontext auch mein „beklagen“ von fehlendem Projektionseinrichtungen. Dass man bei der Bundeswehr offensichtlich erst die Schule mit NS-Symbolen beflaggen muss, bevor man auf den Charakter dieser Symbolik hinweist, während es andere Institutionen schon schaffen, einfach eine solche Fahne mal kurz an die Wand zu projezieren, spricht doch Bände, oder?

  3. Comment von tee

    dass solche institutionen grossen wert auf authentizität legen ist leider wirklich so, das entkräftet schon mal ein klein wenig das beamer-argument. auch ist die schule ja keine öffentlich zugängliche, nur bundeswehrangehörige und dienstleister haben da zutritt.
    aber versteh mich nicht falsch, diese art der beflaggung mutet so oder so sehr seltsam an. ich gebe dir recht, wenn du dem bildblog das „reinwürgen“ unterstellst, denn nichts anderes war das. der bildbericht war tatsächlich einmal durchaus gerechtfertigt (nicht 100%ig in seiner art, aber naja).

RSS-Feed für Kommentare zu diesem Eintrag.

Kommentar hinterlassen

Leider ist der Kommentarbereich für dieses Mal geschlossen.






Datenschutzerklärung