Niemand ist sicher, das ist sicher

8. September 2006

Der Beitrag Niemand ist sicher auf dem Mädchenblog hat für einigen Wirbel gesorgt. Besonders erzürnte lfodemons „Beitrag“ dazu.

Interessant fand ich lfodemons Reaktion auf „Niemand ist sicher“ vor allem deshalb, weil er das dort geschriebene gleich auf „die linke Szene“ bezieht, ein von ihm imaginiertes Zentrum alles Bösen, dessen AgentInnen seine „Lebensart zerstören“ wollen. Aber lassen wir lfodemon selbst sprechen:

Man kann nur froh sein, dass dieses Gruselphänomen, im Eigensprech wahlweise „linke Szene“ oder „linke Zusammenhänge“ genannt, bald vom Erdboden verschwunden ist und Platz für eine Emanzipation der Menschheit macht.

So, die „linke Szene“ oder „linke Zusammenhänge“ sollen also „bald vom Erdboden“ verschwinden um Platz „für eine [sic!] Emanzipation der Menschheit“ zu machen. Hier zeigt sich, finde ich, ganz deutlich wo die Reise „der Antideutschen“ hingegangen ist. Man(n) wünscht der Linken den Tod, sie soll sogar „vom Erdboden“ verschwinden, also völlig ausgetilgt (vernichtet) werden. Dass die Autorin („sie“) gar nichts von der „linken Szene“ oder „linken Zusammenhängen“ geschrieben hat, ist dabei egal. Verantwortlich ist immer die Linke, weil selbst lfodemon es in diesem Zusammenhang nicht schafft den „Islamfaschismus“ die Schuld in die Schuhe zu schieben. Stattdessen führt er ein paar Beispiele an

Mädchen in Kopftücher zu stecken, sie in Jogginghosen zum Schwimmunterricht zu schicken, ach, gleich ganz hart: Frauen die Klitoris abzuschneiden oder sie bis zur Hüfte in der Erde einzugraben und dann solange mit Steinen zu bewerfen, bis sie tot sind

die wohl illustrieren sollen, dass es der Autorin von „Niemand ist sicher“ ja noch ganz gut ginge, im Gegensatz zu unter der Scharia lebenden Frauen. Das schäbig zu nennen wäre noch untertrieben.

Achja, weil wir gerade bei Klitoris abschneiden sind: Das war übrigens auch in Deutschland bis ins frühe 20. Jahrhundert ein „ganz normaler“ medizinischer Eingriff um „übermäßige Masturbation“ bei Frauen zu „lindern“.* Wenn es nach lfodemon ginge, wäre diese Art von Repression gegen Frauen wohl heute noch in hiesigen Breitengraden „Normalität“, denn lfodemon hätte bestimmt genug Argumente gegen die Frauen, die sich für die Abschaffung dieser Frauen- und Sexualitätsfeindlichen medizinischen Praxis eingesetzt haben.

Aber zurück zum Thema. Die „linke Szene“ steht also der Emanzipation im Weg. Dabei fällt Lfodemon zu Recht die „linke Szene“ als erstes ein, wenn es um das thematisieren von Grenzüberschreitungen in der Sexualität geht. Denn die „linke Szene“ ist auch der einzige „gesellschaftliche Ort“ wo so was politisch diskutiert wird. Die patriarchale Verfasstheit dieser Gesellschaft wird außerhalb dieser „Szene“ ja kaum noch wahrgenommen bzw. thematisiert (Gegenbeispiele bitte als Kommentar posten). Dass lfodemon diese „Szene“ „vom Erdboden“ getilgt sehen möchte, zeigt, dass ihn das Thema an sich nervt, eventuell, weil er selbst mit seiner Sexualität nicht klar kommt. Lfodemon stört nämlich, dass „ganz persönliches Leid der Unterdrückung öffentlich ausbreite[t]“ wird. Anscheinend ist er dazu nicht in der Lage. Eventuell kann er sich seine eigene Betroffenheit von sexueller Unterdrückung nicht eingestehen und muss deshalb jede(n) die (der) es wagt, das zu tun öffentlich geißeln. Das nenne ich reaktionär.

So, das war’s erstmal von mir. Was für Unsinn zum Thema Sexualität in Teilen der Linken verbrochen wird, werde ich zu einem anderen Zeitpunkt thematisieren.

*Quelle: Marion Hulverscheidt (2002): Weibliche Genitalverstümmelung: Diskussion und Praxis in der Medizin während des 19. Jahrhunderts im deutschsprachigen Raum, Frankfurt a.M.: Mabuse-Verlag, ISBN 3-935964-00-5.

2 Kommentare

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  1. Comment von LfL

    „Was für Unsinn zum Thema Sexualität in Teilen der Linken verbrochen wird, werde ich zu einem anderen Zeitpunkt thematisieren.“

    *Freu* Wann ist es denn soweit?

  2. Comment von nachdenklich

    Geduld. Das muss wohl formuliert sein.

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