Vor Paralleluniversen wird gewarnt

28. April 2006

Wer in Deutschland lebt, darf kein Verhalten an den Tag legen, das die Bildung von Parallelgesellschaften fördert, meint die Bonner Oberbürgermeisterin und SPD-Vizechefin Bärbel Dieckmann. Das ist eine Forderung, über die mensch angesichts obskurster Vereinsmeierei, dem Weiterbestehen seltsamer Verbindungen und der Ungenauigkeit des Parallelgesellschafts-Begriffs den Kopf schütteln möchte.

Was veranlasst Frau Dieckmann zu einem solch gleichermaßen sinnfreien und hetzerischen Ausspruch? Na, ihr habt’s schon erraten, eine Symboldebatte. Zwei SchülerInnen einer Bonner Gesamtschule hatten es gewagt, totalverschleiert in der Lehranstalt aufzutauchen. Die beiden 18-jährigen Frauen, die wohl demnächst quer durch jedes Boulevardmagazin gejagt werden dürften, wurden sofort suspendiert. Sogar der Wolfgang Thierse fand das richtig, denn eine Identifizierung solcher völlig verhüllter Personen sei nur noch über die Stimme möglich. Dies könne auch Ängste auslösen. Die anderen Schülerinnen hätten nicht gewusst, ob die beiden überhaupt zur Schule gehörten.
Ja, furchtbar. Alle beteiligten, die beiden ProvokateurInnen mal ausgenommen, beeilten sich zu betonen, mit einem Verbot religiöser Symbole habe das nichts zu tun. Stimmt. Eher mit einer Kleiderordnung.

So richtig entscheiden konnte mensch sich aber nicht, welche Auswirkungen die Totalverschleierung nun hatte. Während eine Sprecherin der Bezirksregierung meinte, es wurde an der Schule über nichts anderes mehr gesprochen, und keiner hätte sich mehr auf den Unterricht konzentriert, sagte Thierse die zwei Schülerinnen hätten sich „unsichtbar“ gemacht. Ja was denn nun? Den Unterricht gestört oder sich ins Paralleluniversum zurückgezogen?

Natürlich wird vermutet, die beiden Schülerinnen hätten nicht aus eigenem Antrieb gehandelt.

Die beiden haben jetzt übrigens Schulverbot für 14 Tage. Angeblich wird das wieder aufgehoben, wenn sie die Burkas (ist das der richtige Plural?) wieder ablegen.

Ach ja: Quelle

Einfall

25. April 2006

Ich glaub‘ ich werd‘ jetzt noch eine Rauchen, bevor ich schlafen gehe.
Man gönnt sich ja sonst nix.

Bayerischer Rundfunk räumt auf

19. April 2006

Bei Bayerischen Rundfunk gibt es offenbar Pläne, den durchaus manchmal kritisch berichtenden Zündfunk abzuschaffen. Auch wenn der Zündfunk (neben Radio Z aus Nürnberg und Radio Lora aus München) nicht so recht hineinpassen mag in Bayern, sollte das doch verhindert werden, oder?

Mehr infos: zuendfunk-retten.de

Auch Provinzjugendliche haben ein Recht auf Kultur!

Nieder mit dem Biedermeier!

18. April 2006

Was soll das Cover der aktuellen Bahamas bloß darstellen?

Was'n das?

Und warum werfen die Gestalten am linken Rand mit einem Gespenst?

Interpretationsversuche bitte als Kommentar.

Nachgekartelt wird nicht, heute aber schon

Nachdem ich eine alte Geschichte aufgewärmt hatte, war kirsti dadurch dazu angeregt worden, auch was dazu zu schreiben. Nun sieht sein/ihr Eintrag allerdings ein bisschen anders aus. Statt wie vorher danach zu fragen, wie sich die damalige Auseinandersetzung abgespielt hat, wird nun in ein ganz anderes Horn geblasen:

die info aus einem nazi forum, aufgrund der nachdenklich geschrieben hat: “Tatsächlich wurden die Auseinandersetzungen aber weder von Antifas noch von Antideutschen begonnen”, sondern von nazis, ist aber allem anschein nach ein fake, was schwer nachprüfbar ist. außerdem würde es weder etwas an den später gerufenen antisemitischen parolen noch an dem grundsätzlichen problem des antisemitismus in der linken ändern, wenn sich herausstellen sollte, dass dies doch kein fake ist. und was die formulierung “weder von Antifas noch von Antideutschen” soll, ist mir auch nicht so ganz klar, soweit mir bekannt ist, schließt das eine das andere nicht aus.

Das allein ist schon unschön, noch viel tiefer getroffen hat mich aber, dass Kirsti anscheinend meinen Kommentar zu seinem Beitrag gleich mit gelöscht hat. Deshalb werde ich hier sinngemäß nochmal wiederholen, was ich dort hinterlassen hatte:

Ob es sich um ein Fake handelt, oder ob die Nazis das angefangen haben ist eigentlich egal. Fakt ist, dass solch symbolhafte Politik („Israel-Fahne“) mit dazu passendem abgefahrenen Diskurs („Mit dem Angriff auf die Israel-Fahne waren nicht die “antideutschen Provokateure” sondern Israel direkt gemeint.“) wirklich sehr leicht „von außen“ eskaliert werden kann. (Macht aus Sicht der GegnerInnen antifaschistischer Politik auch Sinn.) Mensch sollte auf Demos wieder mehr darauf achten, wer da so mitläuft. Dazu könnten feste Reihen ausgemacht werden. Die Antifas aus Hamburg hatten das gemacht und den Antideutschen, gemäß den Absprachen, konsequent das laufen in diesen Reihen verwehrt. Das war auch richtig.

Ob Antideutsche Antifas sind/sein können/sein wollen dazu werde ich bei Gelegenheit einen Extra-Artikel schreiben.

Nachgekartelt

16. April 2006

Auf der Anti-Nazi-Demo in Hamburg am 31. Januar 2004 wurde eine Gruppe von AntifaschistInnen mit Israelflaggen sowie Fahnen der alliierten Siegermächte von dem vorderen Teil der Demonstranten gewalttätig aus der Kundgebung geworfen. Dies geschah durch “Hamburger Zusammenhänge”, die nun beklagen, dass sie von Antideutschen provoziert und angegriffen worden seien

So steht’s auf der Internetseite der gruseligen Bad Weather aus Hamburg. Tatsächlich wurden die Auseinandersetzungen aber weder von Antifas noch von Antideutschen begonnen. Dies lässt zumindest der Bericht (Achtung Nazi-Link!: hxxp://forum.skadi.net/showthread.php?t=20896) der rechtsextremen DS/APO vermuten:

Der 31.01.04 in Hamburg und warum Anti-Ds nicht immer so Anti-Deutsch sind.
[…]
An diesem Tag sollten wir unsere Erkenntnisse um innerlinke Konflikte sehr erfolgreich umsetzen. Mit einer Israel Fahne im Kofferraum machten wir uns auf den Weg in die Hansestadt um uns die Gegendemo etwas näher anzusehen. […] Allerdings hatten wir hier die Möglichkeit etwas zu provozieren und eskalierend zu wirken. An den Handgreiflichkeiten zwischen Anti-Ds und Anti-Imps waren wir sozusagen nicht ganz unmaßgeblich beteiligt um ehrlich zu sein. Da dies nicht die einzige Aktion in diese Richtung war und sicher in Zukunft auch noch die ein oder andere Fortsetzung finden wird, werden wir keine Details schildern, durch die evtl. eine Zuordnung der Personen möglich wäre. Die Folgen dieses Tages konnten wir damals noch nicht absehen, waren über die Entwicklung der Dinge aber höchst erfreut.

So viel zur These, die Nazis würden niemals Israel-Fahnen tragen.

Die Aktion war übrigens der Auftakt für eine Unterwanderung der antifaschistischen Gegenaktivitäten zu Wunsiedel. Die DS/APO hatte zur Tarnung eine fiktive Antifa-Gruppe gegründet. Eigentlich seltsam, dass die Nazis da erst so spät drauf gekommen sind, dass so was geht.

Ach, noch was. Das 11-punktige Thesenpapier antideutscher Gruppen, das die Auseinandersetzungen in Hamburg erwartungsgemäß einseitig verurteilt, unterstützten 45 antideutsche (soft+hardcore) Zusammenhänge und Kleinstgruppen. Die These, wie mit Israel-Fahnen tragenden Neonazis umgegangen werden soll, fehlt allerdings (noch). Bad Weather, übernehmen Sie!

Nachtrag: Wie ich gerade sehe, wurde das Thema schon mal auf x-berg durchgekaut, und zwar hier (Eintrag vom 6. Oktober 2004).

Ohne Bart

15. April 2006

Aus einer Laune heraus habe ich mir heute meinen Bart abgenommen.
So sieht mein Rasierpinsel aus - interessant was?
Ich muss sagen, dass ich mit dem Alter, nach dem ich jetzt aussehe, ganz zufrieden bin.

Apropos Bart: Angeblich hat, laut Wikipedia kein geringerer als Jassir Arafat den Drei-Tage-Bart-Modetrend ausgelöst. Auf die Frage eines Journalisten, wie er es schaffe, immer einen Drei-Tage-Bart zu haben, soll er gesagt haben „Man nehme einen Hunderasierer“.
Jassir mit Drei-Tage-Bart
Ja der Jassir, der war scho a Hund, wie mensch in Bayern sagt.

Jesus‘ Demokraten

14. April 2006

Vor zwei Jahren, im April 2004, druckte die rechtskonservative Konkret ein Bild blutiger Muslime, die sich selbst verletzt hatten.

Titel: Allahs Demokraten. Konkrete Demokraten

Dass das Christentum da locker mithalten kann beweisen diverse Unappetitlichkeiten, die jedes Jahr zu Karfreitag stattfinden. Z.B. in San Pedro Cutad.

Auch konkrete Demokraten

Was das alles jetzt mit Demokratie zu tun hat, weiß ich auch nicht. Da fragt ihr am besten die konkret

Gustav rettet Leben!

11. April 2006

Manchmal stößt mensch auf Musik, die sich nicht nur gut anhört, bei der nicht nur die Lyrics interessant sind, sondern die sich einfach rundum gut anfühlt – und ich spreche natürlich nicht von gute-Laune-Musik. Im Gegenteil, richtig schön schwermütig macht die Musik von Gustav aka Eva Jantschisch. Musik, zu der mensch sich gern hinlegt und die Decke anstarrt und nachdenkt. Aber dann auch wieder aufsteht und das tut, was mensch so tut, z.B. Revolutionen vorbereiten.

Gustav

Und weil die gute Frau demnächst bei mir in der Stadt auftritt, kann ich sie theoretisch umarmen und „Danke“ sagen (praktisch natürlich nicht, will sie ja nicht belästigen).

Homepage von Gustav

Bei Bild wird jeder schwul

8. April 2006

Wie der BILDBlog berichtet hat das große deutsche Hetzblatt Boulevardmagazin mal wieder einen Wissenschaftler zitiert, sprich, ihm ganz was anderes in den Mund gelegt, als er gesagt hatte.

So werden bei BILD alle Männer in MeckPomm schwul, während Dr. Wolfgang Weiß eigentlich darauf hinweisen wollte, dass seiner Meinung nach, ein durch Migration verursachter Männerüberschuß drohe, der zu einem erhöhten Gewaltpotential führen könne.

Diese BILD-Schlagzeile
Bild-Schlagzeile
wird vielleicht dazu beitragen, dass der eine oder andere Mecklenburg-Vorpommerer sich auf den Weg zum nächsten Schwulen (oder zumindest zum nächsten Menschen den er dafür hält) aufzumachen wird. Aber wohl leider nicht, um Zärtlichkeien auszutauschen.

14.08.2005 Teterow
Fünf nichtrechte Jugendliche werden in Teterow auf dem Heimweg von fünf Rechten aus einem Auto angegriffen. Die Angreifer sind mit Baseballschlägern bewaffnet und teilweise vermummt. Sie brüllen: „Ihr schwulen Säue – wir kriegen Euch!“ und jagen die Jugendlichen zu einer Straßenkreuzung, wo sie von einer zweiten Gruppe Angreifer erwartet werden, die ebenfalls vermummt und bewaffnet sind. Zwei der flüchtenden Jugendlichen werden von den Rechten eingeholt und mit den Baseballschlägern brutal zusammengeschlagen. Die am Boden Liegenden werden getreten; einem von ihnen wird eine Schreckschusspistole ans Ohr gehalten und mehrmals abgefeuert. Beide erleiden schwere Verletzungen und müssen stationär behandelt werden.
Quelle: Lobbi